Vierhändige Tastenakrobatik

Deug-Yun Kim und Jungsook Lee-Oh brillierten im Binzener Rathaussaal / Hinreißende Virtuosität
(Bericht aus dem Oberbadischen Volksblatt, September 2009)

Binzen (bn). Anno 1765 notierte Vater Leopold Mozart: „In London hat Wolfgangerl sein erstes Stück für vier Hände gemacht. Es war bis dahin noch nirgends eine vierhändige Sonate gemacht worden."

Am Samstagabend erklang dieser virtuose Welterstling des 14-jährigen Wunderknaben vermutlich auch zum ersten Mal im Binzener Rathaussaal, mit vitalem Zugriff dargeboten von den aus Korea stammenden und jetzt in Binzen und Basel lebenden Pianistinnen Deug-Yun Kim und Jungsook Lee-Oh, die bereits beim Neujahrsempfang der Gemeinde ihr fulminantes Können demonstriert hatten.

Dass dieses hinreißende Jugendwerk Mozarts selbst für versierte Könner ein rechter Prüfstein ist, war freilich auch nicht zu überhören. In den beiden raschen Ecksätzen gab es vereinzelt leichte spieltechnische Unsauberkeiten - lässliche Sünden zwar, aber gerade bei diesem diffizil strukturierten Stück nicht zu kaschieren.
Die impressionistische Klangfarbenwelt von Claude Debussy stellt kaum solche Fallen. Berückend klangsinnlich gerieten hier die schwebenden Stimmungen der vierteiligen „Petite Suite", die die Interpretinnen mit disziplinierter Anschlagskultur einzufangen wussten. Pointiert gesetzte rhythmische Akzente kennzeichneten desgleichen die eindrücklich dargebotene achtteilige Auslese aus der Walzersammlung (op. 39) von Johannes Brahms. Und abschließend bereiteten die Konzertgeberinnen ihrem stattlichen Publikum nochmals ein exquisites Hörvergnügen mit zwei Stücken von Louis Moreau Gottschalk. Dessen erstes, „La Jota Aragonese" peppt populäre iberische Volksweisen mit hinreißender Salonvirtuosität auf, das zweite, „Ojos criollos" (kreolische Augen), kombiniert melodische und rhythmische Elemente. lateinamerikanischer Folklore mit solchen der frühen Jazz- und Ragtime-Aera zu einem furiosen Stilmix.
Als Moderatorin steuerte Heidi Grimmberg teils anekdotische Betrachtungen zu Werk und Wirkung der Komponisten bei und als Zugaben begeisterten noch der rasante achte Ungarische Marsch von Brahms und die deutlich in abendländische Tonsphären transferierte Bearbeitung eines populären koreanischen Liedes.