Ein Abend mit doppeltem Gewinn

Rudolf Meister und Deug-Yun Kim bestritten Gesprächskonzert im Alten Rathaus Weil am Rhein
Badische Zeitung vom 16.04.2007

Impressionistischer Klangzauber und die lyrisch-dramatische Erzählkraft von Chopins Balladen: Für Klavierfreunde war der Abend mit den beiden Pianisten Deug-Yun Kim und Rudolf Meister in der Reihe der "Weiler Gesprächskonzerte" im Alten Rathaus ein doppelter Gewinn. Denn das Konzert mit Werken von Chopin und französischen Komponisten der Romantik bot nicht nur reinen Hörgenuss, sondern ein kleines Musik-Kolleg dazu.

Die Idee, aus der üblichen Konzertform etwas auszuscheren und den Zuhörern mehr Kenntnis in musikalische Kontexte zu vermitteln, wurde hier sehr ansprechend umgesetzt. Der renommierte Solist und Klavierprofessor Rudolf Meister erklärte in seinen Erläuterungen die musikalischen Details und Hintergründe sehr fachkundig, und so erschloss sich beim Hören der Stücke doch manches noch genauer und intensiver.

Den ersten Programmteil eröffnete Meister mit einem träumerisch-poetisch und sensibel gespielten Nocturne von Gabriel Fauré. Dass er auch ein Chopin-Interpret von Format ist, bewies er in zwei Balladen Nr.3 op.47 und Nr.2 op. 38. Meister verstand es glänzend, die mehr ruhigen, lyrischen Passagen in einem balladesken Erzählton zu gestalten und die dramatischen, aufgewühlten Stellen dieser Balladen zu packender Wirkung zu bringen. In vier Chopin-Etüden machte der Pianist klar hörbar, dass es hier um weit mehr als um spieltechnische Ansprüche und fingertechnische "Übungen" wie schnelle Läufe in der rechten und linken Hand oder Doppelgriffe geht, sondern um die Gestaltung eines schönen, differenzierten Klangs.

Den französischen Impressionisten galt der zweite Programmteil, den die südkoreanische, hier in der Region lebende Pianistin Deug-Yun Kim bestritt. Ravels "Valses nobles et sentimentals" spielte sie mit wunderbar eleganter Geschmeidigkeit und klanglicher und farblicher Delikatesse. In jedem Moment ließ sie hören, dass Ravel ein wirklicher Magier unter den Komponisten war, der hier die mondänen, die nostalgischen Walzertypen mit Wärme, mit süßer Melancholie, aber auch mit viel Ironie behandelt und aufbricht und wie eine sentimentale Erinnerung vorüber schweben lässt. Dass musikalischer Impressionismus eine bezaubernde Klangmalerei in Farben und Licht ist, zeigte sich dann in Debussys "Images" . Mit subtilem Gespür für Stimmung, Atmosphäre und irisierende farbliche Nuancen interpretierte Deug-Yun Kim diese "Bilder" von schwingenden Glocken, die sich wie ein Hauch über herbstliche Blätter legen, oder die traumhaft entrückte Vision des Mondlichts über einem versunkenen Tempel. Höchst brillant war ihre Darstellung der "Goldfische" , ein Wasserspiel von funkelnder Farbigkeit und schillernder Bewegtheit.

Zum krönenden Abschluss setzten sich Deug-Yun Kim und Meister zusammen an den Flügel und spielten vierhändig Debussys "Petite Suite" . Das Klavierduo entfaltete wie aus einem harmonischen Guss den lyrischen Zauber der "Barcarole" , die sanft auf dem Wasser schaukelt und dahin gleitet. Glänzend legten sie aber auch den tänzerischen Elan, den federnden rhythmischen Schwung des Tanzsatzes "Ballet" auf die Tasten. Großer Beifall für so viel pianistische Klasse.

Roswitha Frey